Wirtschaftskrisen haben die Tendenz, wirtschaftliche und institutionelle Schwachstellen offenzulegen. Daher besteht die Gefahr, dass sie Schäden verursachen, die erheblich schwerwiegender sind als die, die durch einen jeweiligen Schock allein verursacht worden wären. Sturm und heftige Regenfälle können zu beherrschbaren Schäden führen, wenn die Deiche und Dämme halten. Sie haben aber Katastrophen zur Folge, wenn schlecht gewartete Schutzwälle an ihren schwächsten Stellen brechen, Wasserfluten hereinstürzen und ganze Landstriche mit Überschwemmungen zerstört werden. Es ist eine zentrale wirtschaftspolitische Aufgabe zu verhindern, dass aus einem negativen (externen) Schock eine veritable Wirtschaftskrise erwächst. Schon aus diesem Grunde sind preventive Bewertungen zur Krisenresistenz eine wichtige „Versicherung“ gegen das Risiko eines möglichen wirtschaftspolitischen Kontrollverlustes in Krisenzeiten.
Die sich abzeichnende Klimakrise und der rasche Wandel im globalen Umfeld – Deglobalisierung (Sanktionen, Zölle, De-Risking), Energiewende (Dekarbonisierung, Netto-Null), technologischer Innovation (künstliche Intelligenz) und Geopolitik – haben direkte Auswirkungen auf wirtschaftspolitische Aussichten. Dabei gelingt es nicht jeder Volkswirtschaft, Risiken in Chancen umzuwandeln, und nicht jedem Staatshaushalt, soziale Auswirkungen fiskalpolitisch aufzufangen und das Fundament für zukünftigen Wohlstand zu legen.


Integratives Wirtschaftswachstum nährt sich aus Rahmenbedingungen, in denen sich verfügbares Wissen in Investitionen und technologischer Fortschritt in Beschäftigung umwandeln lassen. Diese Fähigkeiten einer Volkswirtschaft – wenn vorhanden – stützen sich auf eine solide Grundlage von Forschung, Bildung, Gesundheit und Verwaltung. Wohlhabende Gesellschaften florieren auf dem Boden eines regulatorischen und institutionellen Umfeldes, das Vertrauen schafft und die breite Teilnahme an wirtschaftlichen Aktivitäten ermöglicht. Nur so eröffnen sich für Unternehmen langfristige Perspektiven, innerhalb derer Investitionen getätigt werden und technologischer Fortschritt möglich ist. Diese Einschätzung wird durch eine einflussreiche Literatur zum endogenen Wachstum untermauert, die sich auf nichtmaterielle Ressourcen (vor allem Humankapital) als Nährstoff für eine selbsttragende Entwicklung stützt. Um über längere Zeiträume hinweg dynamische Wachstumsraten und qualitativ hochwertige Arbeitsplätze gewährleisten zu können, muss es einer Volkswirtschaft gelingen, die Saat neuer Ideen auf produktiven Boden zu streuen. Dann lässt sich Wohlstand über Produktivitätszuwächse und Innovationsfähigkeit sichern.
Öffentliche Investitionen und politische Reformen dienen somit primär der Verbesserung der Wachstums- und Beschäftigungsbedingungen. In Zeiten erheblicher Veränderungen vereinfachen sich Entscheidungen zur ökonomischen Prioritätensetzung, wenn wirtschaftspolitischen Entscheidungen nach Wert, Relevanz und Qualität regelmäßig neu bewertet werden. Die Kombination aus wirtschafts- und fiskalpolitischer Stabilität und wachstumsfördernden Maßnahmen – einschließlich solcher zum Schutz der Umwelt und zur Steigerung der Verwaltungseffizienz – stärkt wirtschaftspolitische Resilienz gerade auch in Zeiten widriger Umstände. Bei steigenden, durch endogene Produktivitätsfortschritte ausgelösten Wachstumsraten lassen sich diese langfristig und ohne den Zwang immer umfangreicherer Finanzpakete aufrechterhalten.

Eine wirksame Entwicklungsstrategie beschreibt einen Prozess, in dem Vulnerabilitäten mittels verfügbarer Ressourcen zur Förderung übergeordneter Wachstums- und Entwicklungsziele gesenkt werden. Diese werden durch intermediäre Benchmarks, Monitoring-Prozesse und Feedbackschleifen abgestützt, um frühzeitig und effizient auf unvorhergesehene Schwierigkeiten und Engpässe reagieren zu können. Grundvoraussetzung für die Fähigkeit, breiten Wohlstand zu sichern, ist der Fokus auf die Interdependenz der drei Dimensionen ökonomischer, gesellschaftspolitischer und ökologischer Nachhaltigkeit. Der dabei anspruchsvollste Aspekt betrifft die Herausforderung, keinen Widerspruch zwischen klimapolitischer Transformation und sozialem Zusammenhalt entstehen zu lassen und Ressourceneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit in einen Circulus virtuosus zu überführen. Hier fehlt es jedoch häufig an einer klaren Linie, Klimapolitik mit nachhaltiger Entwicklung, Armutsbekämpfung und sozialem Ausgleich zu verbinden. Je länger entsprechende Ungewissheiten anhalten, desto größer werden natürlich auch die Risiken daraus resultierender Glaubwürdigkeitskrisen.
Der Erfolg von politischen Entscheidungsträgern, den Wandel hin zu einer nachhaltigen, emissionsarmen – und damit resilienten – Wirtschaft vorantreiben zu können, hängt an der Selbstverpflichtung zu klar definierten wirtschaftspolitischen Zielen. Auf dieser Basis lassen sich dann entsprechende Entwicklungsstrategien erarbeiten, Fragilitäten identifizieren, Potenziale aufzeigen und Optionen abwägen. Eine leistungsfähige Wirtschaft ist eine, die es auch mit indirekten Instrumenten der Wirtschaftspolitik vermag, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen und breite Bevölkerungschichten am wirtschaftlichen, sozialen und technischen Fortschritt teilhaben zu lassen. Die aktive Beteilungung unterschiedlichster Interessengruppen, ergänzt durch die Einbeziehung von relevantem Know-how und entsprechenden Finanzierungsmöglichkeiten durch Entwicklungspartner und potenzielle Investoren, bildet dann Grundlage für eine Entwicklungsstrategie, die sich aus einer analytischen Diagnostik der Potenziale und Fragilitäten ableitet und den Weg zu gemeinsam getragenen Zielen aufzeigt. So lassen sich wirtschaftspolitische Prioritäten effektiv und finanzierbar sequentieren, Orientierung und Planungssicherheit bieten und Impulse für Investitionen und Wirtschaftswachstum geben.
