{"id":1178,"date":"2025-04-26T17:02:46","date_gmt":"2025-04-26T15:02:46","guid":{"rendered":"https:\/\/olters.eu\/?p=1178"},"modified":"2025-12-17T15:20:09","modified_gmt":"2025-12-17T14:20:09","slug":"das-bretton-woods-dilemma-des-unausgeglichenen-handels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/olters.eu\/de\/das-bretton-woods-dilemma-des-unausgeglichenen-handels\/","title":{"rendered":"Das Bretton-Woods-Dilemma des unausgeglichenen Handels"},"content":{"rendered":"\n<p><em>W\u00e4hrend der Staub des von <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/e4b7a0b2-3257-4bab-8b40-55225417c7f0\">Martin Wolf<\/a> als \u201e<a href=\"https:\/\/www.govinfo.gov\/content\/pkg\/FR-2025-04-07\/pdf\/2025-06063.pdf\">Trump<\/a> II &#8211; Lasst uns die Weltwirtschaft zum Spa\u00df in die Luft jagen\u201c bezeichneten Handelskrieges weiter aufgewirbelt wird, deuten die Konturen eines finalen Resultats weniger auf Bem\u00fchungen zur Beseitigung <a href=\"https:\/\/ustr.gov\/sites\/default\/files\/files\/Issue_Areas\/Presidential%20Tariff%20Action\/Reciprocal%20Tariff%20Calculations.pdf\">bilateraler Handelsungleichgewichte<\/a> als vielmehr auf einen gezielten Angriff auf die gesamte regelbasierte Welthandelsordnung hin. Andernfalls w\u00e4re der Vorschlag der <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/statement_25_1028\"><\/a><em><em><a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/statement_25_1028\">Europ\u00e4ischen Union<\/a><\/em><\/em> f\u00fcr ein Null-Zollabkommen nicht von Pr\u00e4sident <em><a href=\"https:\/\/www.newsweek.com\/trump-rejects-europe-tariffs-offer-2056776\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#e6c81e\" class=\"has-inline-color\">Donald Trump<\/mark><\/a><\/em> mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcckgewiesen worden, dass die Gemeinschaft von mittlerweile 27 Mitgliedstaaten nur gegr\u00fcndet worden sei, um den Vereinigten Staaten im Handel zu schaden. Die internationale Furcht vor einer Abkopplung der USA vom globalen Finanz- und Handelssystem hat zu einem rapiden Vertrauensverlust in den US-Aktienmarkt, den US-Dollar und die langfristigen Renditen von US-Staatsanleihen gef\u00fchrt und gleichzeitig die Nervosit\u00e4t der M\u00e4rkte in Bezug auf Wachstum, Inflation und \u00f6ffentliche Institutionen (sowie die Unabh\u00e4ngigkeit der US-Notenbank) neu entfacht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eZur\u00fcck zu den Urspr\u00fcngen!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nur drei Wochen nach der unilateralen Infragestellung des Welthandelssystems, die von vielen als Ausl\u00f6ser einer m\u00f6glichen Weltwirtschaftskrise angesehen wurde, haben die beiden Bretton-Woods-Institutionen die Finanzelite der Welt vor dem Hintergrund<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>der Beschreibung einer aus dem Gleichgewicht geratenen Weltwirtschaft durch den <a href=\"https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/sb0094\">US-Finanzminister<\/a> Scott Bessent, der die internationale Gemeinschaft aufforderte, den IWF und die Weltbank wieder auf ihre Gr\u00fcndungsziele auszurichten, die Ausweitung ihrer Aufgaben zu begrenzen und sich von ihren weitreichenden und unkonkreten Programmen zur\u00fcckzuziehen, die ihre F\u00e4higkeit, ihre Kernaufgaben zu erf\u00fcllen, beeintr\u00e4chtigt h\u00e4tten;<\/li>\n\n\n\n<li>einer von US-Pr\u00e4sident Donald Trump unterzeichneten <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/presidential-actions\/2025\/02\/withdrawing-the-united-states-from-and-ending-funding-to-certain-united-nations-organizations-and-reviewing-united-states-support-to-all-international-organizations\/\">Verordnung<\/a>, bis August 2025 eine \u00dcberpr\u00fcfung aller internationalen zwischenstaatlichen Organisationen durchzuf\u00fchren, in denen die Vereinigten Staaten Mitglied seien und die sie in irgendeiner Weise finanziell unterst\u00fctzten, um festzustellen, welche Organisationen den Interessen der Vereinigten Staaten zuwiderliefen und ob diese Organisationen reformiert werden k\u00f6nnten; und<\/li>\n\n\n\n<li>des <a href=\"https:\/\/static.project2025.org\/2025_MandateForLeadership_CHAPTER-22.pdf\">Projekts 2025<\/a>, dem politischen Entwurf der gegenw\u00e4rtigen Regierung, das internationale Organisationen wie die Weltbank und den IWF als Verfechter wirtschaftlicher Theorien und Strategien betrachte, die den Prinzipien des freien Marktes und der begrenzten Staatsgewalt in den USA zuwiderliefen, und empfehle, dass die USA aus der Weltbank und dem IWF austrete und ihre finanziellen Beitr\u00e4ge einstelle (eine mildere Forderung im gleichen Dokument lautet, dass der <a href=\"https:\/\/static.project2025.org\/2025_MandateForLeadership_CHAPTER-06.pdf\">Au\u00dfenminister<\/a> eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse der Beteiligung der USA an allen internationalen Organisationen einleiten solle)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>zu ihrer Fr\u00fchjahrstagung nach Washington eingeladen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_2771-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1179\" srcset=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_2771-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_2771-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_2771-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_2771-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_2771-1-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_2771-1-1568x1176.jpg 1568w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em><em>Eine erhellende Sichtweise auf den aufbl\u00fchenden Multilateralismus?<\/em><\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Eine R\u00fcckbesinnung auf die Kernaufgaben von <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/aa\/pdf\/aa.pdf\">IWF<\/a> und der <a href=\"https:\/\/thedocs.worldbank.org\/en\/doc\/722361541184234501-0330022018\/original\/IBRDArticlesOfAgreementEnglish.pdf\">Weltbank<\/a>, wie sie in den jeweiligen Abkommen vom Juli 1944 festgelegt wurden, l\u00e4sst einen gewissen Interpretationsspielraum zu. Im Abkommen von Bretton Woods wurden beide Organisationen beauftragt, \u201edie Ausweitung und das ausgewogene Wachstum des internationalen Handels zu erleichtern\u201c beziehungsweise \u201edas langfristige ausgewogene Wachstum des internationalen Handels zu f\u00f6rdern\u201c. Diese Formulierungen deuteten auf einen drohenden Konflikt zwischen den USA und den meisten anderen Mitgliedern \u00fcber die k\u00fcnftige Rolle der beiden Organisationen hin, denn der Begriff \u201eausgewogen\u201c war weitgehend ein Erbe des Bretton-Woods-Systems von vor 1973, in dem die W\u00e4hrungen an den US-Dollar und an Gold gebunden waren (was im Falle eines anhaltenden Handelsdefizits zu einer untragbaren Belastung der Devisenreserven einer Zentralbank und einer daraus resultierenden Zahlungsbilanzkrise f\u00fchren w\u00fcrde). Die Einf\u00fchrung flexibler Wechselkurse entkr\u00e4ftete das \u00f6konomische Argument des \u201egleichgewichtigen\u201c Handels \u2013 bis <a href=\"https:\/\/press.princeton.edu\/books\/hardcover\/9780691158686\/the-great-rebalancing\">Michael Pettis (2013)<\/a> ein wichtiges Puzzlest\u00fcck zu den intellektuellen Grundlagen des \u201e<em>America first<\/em>\u201c-Arguments in Bezug auf globale Handelsungleichgewichte beisteuerte und die Unterdr\u00fcckung des Binnenkonsums in den \u00dcberschussl\u00e4ndern (durch hohe Steuern und\/oder niedrige L\u00f6hne) als Ursache f\u00fcr finanzielle Instabilit\u00e4t und globale Ungleichgewichte identifizierte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Eleganz der konzeptionellen Gymnastik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Spannungsfeld zwischen einem m\u00f6glichen Austritt der USA und einer irreparablen Besch\u00e4digung der regelbasierten Handelsordnung mussten sich die beiden Bretton-Woods-Organisationen sehr vorsichtig positionieren. Mit dem Thema \u201eArbeitspl\u00e4tze: Der Weg zum Wohlstand\u201c fanden sie den Punkt, an dem sie am wenigsten unter Druck gerieten und gleichzeitig die gr\u00f6\u00dfte Unterst\u00fctzung erhielten. In seiner <em><a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/Publications\/Policy-Papers\/Issues\/2025\/04\/24\/The-Managing-Director-s-Global-Policy-Agenda-Spring-Meetings-2025-Medium-Term-Direction-for-566316\">Global Policy Agenda 2025<\/a><\/em> wollte der IWF seinen Mitgliedsl\u00e4ndern helfen, \u201eVolkswirtschaften f\u00fcr nachhaltiges Wachstum \u2013 der Schl\u00fcssel zu mehr Arbeitspl\u00e4tzen und h\u00f6heren Einkommen \u2013 aufzubauen\u201c. Dies erfordere <em>Stabilit\u00e4t<\/em> (an der es derzeit mangelt), verbunden mit Unterst\u00fctzung bei der Suche nach <em>kooperativen L\u00f6sungen<\/em> (statt unilateralem Zwang) f\u00fcr <em>gemeinsame wirtschaftliche Herausforderungen<\/em> (statt nationalistischer Agenden) und <em>konstruktiven L\u00f6sungen<\/em> (statt merkantilistischer Ans\u00e4tze) zur Entsch\u00e4rfung von Handelskonflikten: \u201eRegelbasierte und faire Wettbewerbsbedingungen sind erforderlich, unter anderem durch die Vermeidung wettbewerbsverzerrender Ma\u00dfnahmen zur Sicherung von Wettbewerbsvorteilen und Ma\u00dfnahmen, die den Handelsfluss behindern\u201c. Der IWF werde seine Bem\u00fchungen fortsetzen, \u201e\u00fcberm\u00e4\u00dfige Ungleichgewichte zu identifizieren und Politikberatung zu leisten, um eine geordnete Neuausrichtung zu f\u00f6rdern und finanzielle Friktionen zu verringern, die mit Ungleichgewichten zusammenwirken und die Stabilit\u00e4t des internationalen W\u00e4hrungssystems untergraben k\u00f6nnten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der halbj\u00e4hrliche <em><a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/Publications\/WEO\/Issues\/2025\/04\/22\/world-economic-outlook-april-2025?cid=ca-com-homepage-SM2025-WEOEA2025001\">World Economic Outlook<\/a><\/em> (WEO), die wichtigste Ver\u00f6ffentlichung des IWF f\u00fcr die Fr\u00fchjahrs- und Jahrestagungen, definiert die politischen Herausforderungen f\u00fcr beide Organisationen im Hinblick auf ihre jeweiligen Rollen, Mandate, Legitimit\u00e4tsquellen und Zugang zu Finanzmitteln vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Realit\u00e4t, in der der regelbasierte Multilateralismus, den sie eigentlich verteidigen sollten, von innen angegriffen wurde. Die IWF-\u00d6konomen haben ihre Annahmen angepasst, ihre Modelle \u00fcberarbeitet und ihre Wachstumsprognose f\u00fcr die USA (Welt\/EU) f\u00fcr 2025 um 0,9 (0,5\/0,2) Prozentpunkte auf 1,8 (2,8\/0,8) Prozent gesenkt. Dies bedeutet, dass sch\u00e4tzungsweise 263 (553\/39) Milliarden US-Dollar des gesamten Marktwertes von G\u00fctern und Dienstleistungen in den USA (Welt\/EU) auf einen Schlag und mit einer Unterschrift vernichtet worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Der IWF argumentierte weiter, dass die Z\u00f6lle f\u00fcr die USA einen Angebotsschock darstellten, der zu einer sinkenden Produktivit\u00e4t (d.h. langfristig zu einer geringeren Innovationsf\u00e4higkeit) und steigenden St\u00fcckkosten (d.h. dauerhaft h\u00f6heren Inflationsraten) f\u00fchre. Diese Effekte w\u00fcrden verst\u00e4rkt durch (i) die Reaktion des privaten Sektors auf die erh\u00f6hte Unsicherheit, die zu Investitionsaufsch\u00fcben und geringeren Ausgaben f\u00fchrten, (ii) eine Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen (besonders ausgepr\u00e4gt in L\u00e4ndern mit hoher Staatsverschuldung) und (iii) eine erh\u00f6hte Wechselkursvolatilit\u00e4t. Insbesondere warnte der IWF, wie bereits <a href=\"https:\/\/olters.eu\/de\/die-us-zolldrohungen-koennen-wir-mit-freihandel-notfalls-auch-ohne-sie-ins-leere-laufen-lassen\/\">auf diesen Seiten<\/a> dargelegt, die US-Beh\u00f6rden davor, dass eine anhaltend hohe Unsicherheit in der Handelspolitik neue Impulse f\u00fcr regionale, plurilaterale und multilaterale Abkommen geben k\u00f6nnte, die Risiken mindern und die Vorhersehbarkeit der Politik verbessern w\u00fcrden. Indirekt ermutigten die IWF-\u00d6konomen die von Z\u00f6llen betroffenen L\u00e4nder, ihre Referenzm\u00e4rkte zu erweitern und ihre Handelspartner zu diversifizieren, indem sie argumentierten, dass \u201edie Ausweitung und Vertiefung der internationalen Zusammenarbeit und der regionalen Integration &#8230; die Investitionen steigern, die Produktivit\u00e4t ankurbeln, das Wachstumspotenzial erh\u00f6hen und die Widerstandsf\u00e4higkeit der L\u00e4nder gegen\u00fcber externen Schocks verbessern\u201c k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Fr\u00fchjahrstagung unternahm die globale Finanzelite gemeinsame Anstrengungen, um die internen Differenzen innerhalb der US-Regierung zwischen Reformbef\u00fcrwortern (wie Finanzminister Bessent) und Verfechtern eines R\u00fcckzugs der USA (wie Handelsminister Howard Lutnick und Handelsberater Peter Navarro) beizulegen. In seinem Abschlusskommuniqu\u00e9 versuchte der <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/News\/Articles\/2025\/04\/25\/pr-123-imfc-chairs-statement-fifty-first-meeting-of-the-imfc\">Internationale W\u00e4hrungs- und Finanzausschuss<\/a> (IMFC) \u2013 ein Beratungsgremium des IWF-Gouverneursrats zur \u00dcberwachung und Steuerung des internationalen W\u00e4hrungs- und Finanzsystems \u2013 daher, der internationalen Gemeinschaft sein Bekenntnis zum wirtschaftlichen Multilateralismus zu versichern und gleichzeitig die Reformer in der gegenw\u00e4rtigen US-Regierung zu st\u00e4rken. Unter Hinweis darauf, dass sich die Weltwirtschaft an einem entscheidenden Wendepunkt befinde, betonte das Gremium, dass die Handelsspannungen abrupt zugenommen h\u00e4tten, was zu gr\u00f6\u00dferer Unsicherheit, Marktvolatilit\u00e4t und h\u00f6heren Risiken f\u00fcr das Wachstum und die finanzielle Stabilit\u00e4t gef\u00fchrt habe \u2013 wobei die geringere Wirtschaftst\u00e4tigkeit und h\u00f6here Inflation \u201edas ohnehin schwierige Umfeld mit schwachem Wachstum und hoher Staatsverschuldung\u201c versch\u00e4rften. Der IMFC griff den Aspekt der <em>Besch\u00e4ftigung<\/em> als Bindeglied zwischen der Bekr\u00e4ftigung des regelbasierten Multilateralismus (\u201eWir werden zusammenarbeiten, um die Widerstandsf\u00e4higkeit der Weltwirtschaft zu st\u00e4rken &#8230; und die Stabilit\u00e4t und das effektive Funktionieren des Weltwirtschaftssystems zu f\u00f6rdern\u201c) und der Anerkennung der zuvor ge\u00e4u\u00dferten Bedenken der USA auf (\u201eWir werden auch zusammenarbeiten, um \u00fcberm\u00e4\u00dfige globale Ungleichgewichte zu beseitigen\u201c). Konkret reichte das hochrangige Beratungsgremium des IWF dem US-Finanzminister die Hand, indem es sein institutionelles Engagement bekr\u00e4ftigte (das Bessent als \u201evon bleibendem Wert\u201c bezeichnete) und dieses mit dem Versprechen verkn\u00fcpfte, weitere M\u00f6glichkeiten zu pr\u00fcfen, um sicherzustellen, dass der IWF (wieder) \u201eagil und fokussiert\u201c werde (in impliziter Anerkennung seiner Kritik an der \u201eMandatsausweitung\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auswirkungen und Ausblick: Was erwartet uns?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt abzuwarten, ob diese elegante Kompromissformel, die w\u00e4hrend der politisch heiklen Fr\u00fchjahrstagung sorgf\u00e4ltig ausgearbeitet wurde, tats\u00e4chlich einen ersten Schritt zur Verringerung der \u00f6konomischen Unsicherheit und zur Beruhigung des allgemeinen Wirtschaftsklimas darstellt. Ob gewollt oder nicht, die einw\u00f6chige Veranstaltung fiel in die politische Flaute einer dreimonatigen <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/presidential-actions\/2025\/04\/modifying-reciprocal-tariff-rates-to-reflect-trading-partner-retaliation-and-alignment\/\">Zollpause<\/a> und eines <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/leaders\/2025\/04\/23\/president-trumps-attacks-on-the-fed-are-not-over\">vor\u00fcbergehenden Waffenstillstands<\/a> im Streit zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten und dem Notenbankchef um die Unabh\u00e4ngigkeit der Federal Reserve. Folgt man jedoch der (privaten) Argumentation von <a href=\"https:\/\/www.hudsonbaycapital.com\/documents\/FG\/hudsonbay\/research\/638199_A_Users_Guide_to_Restructuring_the_Global_Trading_System.pdf\">Stephen Miran<\/a>, dem neuen Vorsitzenden des Wirtschaftsberatergremiums von Pr\u00e4sident Trump, so ist es die anhaltende \u00dcberbewertung des US-Dollars, die die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der USA beeintr\u00e4chtigt und zu anhaltenden Handelsdefiziten gef\u00fchrt hat. Er schlug ein \u201eMar-a-Lago-Abkommen\u201c vor, ein \u201emultilaterales W\u00e4hrungsabkommen f\u00fcr das 21. Jahrhundert\u201c, in dem Nichtamerikaner mehr Verantwortung f\u00fcr die Verteidigung \u00fcbernehmen und einem neuen multilateralen Abkommen zur Neuausrichtung der Wechselkurse zustimmen m\u00fcssten (was zu einer deutliche Abwertung des US-Dollars gegen\u00fcber den W\u00e4hrungen der wichtigsten Handelspartnern f\u00fchren sollte), um die globalen Ungleichgewichte zu beseitigen. Eine solche Vereinbarung w\u00fcrde die Zusammenarbeit der wichtigsten Handelspartner erfordern, wie sie in den Bretton-Woods-Organisationen vorgesehen ist. Miran schl\u00e4gt vor, dies auf folgende Weise zu erreichen: \u201eWie k\u00f6nnen die USA ihre Handels- und Sicherheitspartner zu einem solchen Abkommen bewegen? Erstens mit der <em>Peitsche der Z\u00f6lle<\/em>. Zweitens mit dem <em>Zuckerbrot der Verteidigungsgarantie<\/em> und dem Risiko, diese zu verlieren\u201c (Hervorhebung hinzugef\u00fcgt).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4953-1-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1182\" srcset=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4953-1-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4953-1-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4953-1-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4953-1-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4953-1-1-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4953-1-1-1568x1176.jpg 1568w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Geringe Sichtbarkeit beim Ausblick auf internationalen Handel<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Aus politischer Sicht sind Handelsungleichgewichte der \u00d6ffentlichkeit leichter zu vermitteln als Leistungsbilanzdefizite, insbesondere wenn ein direkter Bezug zur heimischen Produktion und Besch\u00e4ftigung hergestellt werden kann. Dabei implizieren Defizite bei G\u00fctern und Dienstleistungen einen \u00dcberschuss des Konsums \u00fcber die Produktion, der nur durch Kapitalzufl\u00fcsse und Auslandsverschuldung finanziert werden kann, was durch den Status des US-Dollars als Weltreservew\u00e4hrung erleichtert und verbilligt wird. Wenn die US-Regierung nun das Vertrauen in die USA als Handelspartner und in den US-Dollar als Reservew\u00e4hrung aufs Spiel setzt, gibt es nur eine rationale Rechtfertigung f\u00fcr eine solche Strategie: die Vorbereitung eines sanften Zahlungsausfalls bei einer US-Staatsverschuldung, die nach aktuellen Sch\u00e4tzungen des IWF im Jahr 2024 bei rund 121 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt. Das <a href=\"https:\/\/www.cbo.gov\/publication\/61172#:~:text=The%20budget%20projections%20are%20based%20on%20CBO%E2%80%99s%20economic,the%20public%3A%20100%25%20of%20GDP%20Outlays%3A%20%247.0%20trillion\">Congressional Budget Office<\/a> geht davon aus, dass die US-Regierung nach Zinsausgaben in H\u00f6he von rund 3,1 Prozent des BIP im Jahr 2024 (d.h. rund 13 Prozent der Gesamtausgaben und mehr als f\u00fcr Verteidigung) im laufenden Haushaltsjahr ein Budgetdefizit von rund 6,2 Prozent des BIP im derzeitigen Haushalt finanzieren muss. <a href=\"https:\/\/olters.eu\/de\/grenzen-der-grenzen-der-fiskalpolitik\/\">Wie bereits erw\u00e4hnt<\/a> geben die Haushaltsprojektionen selbst unter optimistischen Annahmen Anlass zu ernsten Bedenken, ob gen\u00fcgend Spielraum f\u00fcr diskretion\u00e4re Ausgaben geschaffen werden k\u00f6nne. Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass die Zinsverpflichtungen im Verh\u00e4ltnis zum Gesamtwert der G\u00fcter und Dienstleistungen des Landes weiter ansteigen werden, wenn keine Gegenma\u00dfnahmen ergriffen werden, wodurch ihre Finanzierung immer schwieriger wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit besteht ein starkes Interesse an einer Umschuldung der US-Schulden mit deutlich ung\u00fcnstigeren Bedingungen f\u00fcr die Gl\u00e4ubiger. In diesem Fall verschleiert die merkantilistische Sicht des Handels die implizite Erpressung durch hohe Z\u00f6lle oder deren Androhung, um so (i) die politische Akzeptanz f\u00fcr die Umschuldung kurzfristiger, hochverzinslicher US-Schulden in l\u00e4ngerfristige, niedrigverzinsliche Papiere zu erh\u00f6hen, (ii) die unerschwinglich gewordenen Verteidigungsverpflichtungen zu delegieren und\/oder (iii) die Exporte for allem fossiler Brennstoffe aus den USA zu erh\u00f6hen. Es geht also nicht darum, David Ricardos Einsicht in die Bedeutung der internationalen Arbeitsteilung f\u00fcr den globalen Wohlstand zu ignorieren, sondern darum, genau diese Einsicht zu nutzen, um andere L\u00e4nder zu zwingen, die von den USA vorgeschlagenen Regel\u00e4nderungen zu akzeptieren. In diesem Falle ist die Sprache, in der der IMFC im April 2025 seine \u201eWechselkursverpflichtungen vom April 2021 best\u00e4tigt\u201c, bezeichnend. <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/News\/Articles\/2021\/04\/08\/communique-of-the-forty-third-meeting-of-the-imfc\">Dort hie\u00df es<\/a>: \u201eWir bleiben unserer Verpflichtung treu, dass unsere Wechselkurse die <em>zugrunde liegenden wirtschaftlichen Fundamentaldaten<\/em> widerspiegeln, und stellen fest, dass Wechselkursflexibilit\u00e4t die Anpassung unserer Volkswirtschaften erleichtern kann\u201c (Hervorhebung hinzugef\u00fcgt). Dies w\u00e4re gleichbedeutend mit erheblichen Turbulenzen, Neuorientierungen und Risiken f\u00fcr die Zukunft, wenn sich die Weltwirtschaft sehr viel schneller vom US-Dollar als globaler Reservew\u00e4hrung entfernt, als noch vor weniger als einem Jahr vom <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/Blogs\/Articles\/2024\/06\/11\/dollar-dominance-in-the-international-reserve-system-an-update\">IWF<\/a> prognostiziert. Mehr als die <a href=\"https:\/\/ustr.gov\/sites\/default\/files\/files\/Issue_Areas\/Presidential%20Tariff%20Action\/Reciprocal%20Tariff%20Calculations.pdf\">kuriose Zollformel<\/a> vermuten l\u00e4sst, scheint der Handelskrieg einen wesentlich ernsteren Hintergrund zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Jan-Peter Olters<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der Staub des von Martin Wolf als \u201eTrump II &#8211; Lasst uns die Weltwirtschaft zum Spa\u00df in die Luft jagen\u201c bezeichneten Handelskrieges weiter aufgewirbelt wird, deuten die Konturen eines finalen Resultats weniger auf Bem\u00fchungen zur Beseitigung bilateraler Handelsungleichgewichte als vielmehr auf einen gezielten Angriff auf die gesamte regelbasierte Welthandelsordnung hin. 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