{"id":2066,"date":"2026-08-17T00:01:00","date_gmt":"2026-08-16T22:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/olters.eu\/?p=2066"},"modified":"2026-09-05T14:17:48","modified_gmt":"2026-09-05T12:17:48","slug":"kampf-gegen-windmuehlen-rechte-illusionen-und-echte-kosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/olters.eu\/de\/kampf-gegen-windmuehlen-rechte-illusionen-und-echte-kosten\/","title":{"rendered":"Kampf gegen Windm\u00fchlen: Rechte Illusionen und echte Kosten"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September 2026 macht die in den Umfragen f\u00fchrende AfD den R\u00fcckbau der Windkraft zu einem zentralen Wahlversprechen \u2014 im Windschatten \u00e4hnlicher Forderungen von rechtspopulistischer Seite weltweit, allen voran der amtierenden US-Regierung. Gepr\u00fcft wird die Behauptung, Windenergie sei unzuverl\u00e4ssig, teuer und natursch\u00e4dlich, Gas, Kernkraft und Biogas die bessere Alternative. Der Befund: An den verf\u00fcgbaren Zahlen gemessen h\u00e4lt die Anklage nicht stand, und der angebotene Ersatz \u2014 vor allem russisches Pipelinegas \u2014 w\u00fcrde Preise erh\u00f6hen, Versorgungssicherheit mindern und Importabh\u00e4ngigkeit erh\u00f6hen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"791\" src=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WindAfD_dt-pdf-1024x791.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2161\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diese Seite drucken:<\/strong> <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#e6c81e\" class=\"has-inline-color\"><a href=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/260817_Kommentar_Windmuhlen-1.pdf\">https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/260817_Kommentar_Windmuhlen.pdf<\/a><\/mark><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00bbSeht doch hin, gn\u00e4diger Herr,\u00ab sagte Sancho, \u00bbda\u00df das, was da steht, keine Riesen, sondern Windm\u00fchlen sind, und was Ihr f\u00fcr die Arme haltet, sind die Fl\u00fcgel, die der Wind umdreht, wodurch der M\u00fchlstein in Gang gebracht wird.\u00ab <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u2014 <em>Miguel de Cervantes<\/em> (1605\/1615), D<em>on Quijote<\/em>, Erster Teil, Achtes Kapitel. \u00dcbersetzt von Ludwig Tieck (1799\u20131801).<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00bbWindm\u00fchlen der Schande\u00ab<\/h3>\n\n\n\n<p>Europa, Migration \u2014 und nun die Energie. Mit den \u00bbWindm\u00fchlen der Schande\u00ab hat die AfD ihre dritte Frontlinie gegen die sogenannten Altparteien in den Vordergrund ger\u00fcckt. So bezeichnete die AfD-Co-Vorsitzende und damalige Kanzlerkandidatin <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HD5GyksGpzI\">Alice Weidel<\/a> im Januar 2025 auf dem Bundesparteitag ihrer Partei im s\u00e4chsischen Riesa jene Anlagen, die in Deutschland mehr Strom erzeugen als jede andere einzelne Quelle. \u00bbWenn wir am Ruder sind, wir rei\u00dfen alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windm\u00fchlen der Schande!\u00ab, rief sie unter dem Beifall der Delegierten; im <a href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/politik\/deutschland\/weidel-afd-energiemarkt-windraeder-remigration-interview-100.html\">ZDF heute journal<\/a> bezog sie die Aussage auf den geplanten Windpark im hessischen Reinhardswald. Bj\u00f6rn H\u00f6cke kam auf demselben Parteitag ohne Einschr\u00e4nkung aus: Man werde die Windindustrieanlagen in Deutschland zur\u00fcckbauen, \u00bbrechtsstaatskonform, aber komplett\u00ab. So forderte der <a href=\"https:\/\/www.bundestagswahl-bw.de\/fileadmin\/bundestagswahl-bw\/2025\/Wahlprogramme\/AfD_Leitantrag-Bundestagswahlprogramm-2025.pdf\">AfD-Leitantrag<\/a> in Riesa dann auch, die gro\u00dffl\u00e4chigen Naturzerst\u00f6rungen durch Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen in W\u00e4ldern, Feldern und auf Ackerfl\u00e4chen sofort zu beenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Neu ist daran nicht die Position. Schon das <a href=\"https:\/\/www.afd.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/2016-06-27_afd-grundsatzprogramm_web-version.pdf\">Grundsatzprogramm von 2016<\/a> hatte verlangt, das Erneuerbare-Energien-Gesetz \u00bbersatzlos abzuschaffen\u00ab; es galt dort als \u00bbstaatliche Planwirtschaft\u00ab. Neu ist, was aus dieser Ablehnung geworden ist: nicht mehr die Abschaffung eines Gesetzes, sondern der Abriss bestehender Anlagen \u2014 und nicht mehr ein Fachkapitel, sondern ein Signaturthema zweier Landtagswahlk\u00e4mpfe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Reichweite des angestrebten R\u00fcckbaus von Windkraftanlagen l\u00e4sst sich streiten, nicht jedoch \u00fcber das Wort \u00bbSchande\u00ab \u2014 eine Formulierung, die sich als Anklang an Bj\u00f6rn H\u00f6ckes Dresdner Rede vom Januar 2017 lesen l\u00e4sst, in der er das Berliner Holocaust-Mahnmal ein \u00bbDenkmal der Schande\u00ab nannte. Einer technischen Anlage, die nichts weiter tut, als Wind in Elektrizit\u00e4t umzuwandeln, einen Ehrverlust zuzuschreiben, ist keine Sachaussage mehr, sondern eine politische Setzung. Schande suggeriert Schuld, und Schuld setzt einen T\u00e4ter voraus. Wer in dieser Sprache \u00fcber Erzeugungsanlagen spricht, sieht keine Anlagen mehr. Er sieht einen Gegner.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit steht, ungewollt, die europ\u00e4ische Literaturgeschichte im Raum. Vor mehr als vierhundert Jahren hat ein spanischer Steuereintreiber aufgeschrieben, was geschieht, wenn ein Mann in einer Reihe von Windm\u00fchlen etwas anderes erkennt als Windm\u00fchlen. Der Ausgang ist bekannt, und er ging nicht zu Lasten der M\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den \u00bbRegierungsprogrammen\u00ab der AfD f\u00fcr die Landtagswahlen in <a href=\"https:\/\/afd-lsa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/AfD_Sachsen-Anhalt_Regierungsprogramm_2026_230726-web.pdf\">Sachsen-Anhalt<\/a> am 6. und in <a href=\"https:\/\/afd-mv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AfD-Regierungsprogramm-Mecklenburg-Vorpommern-2026.pdf\">Mecklenburg-Vorpommern<\/a> am 20. September 2026 ist aus der Provokation ein Regierungsvorhaben geworden \u2014 jedoch eines, dessen energiepolitischer Kern nicht in Schwerin oder Magdeburg entschieden wird. Vorgesehen sind die Abschaffung des Windenergiefl\u00e4chenbedarfsgesetzes (das die Bundesl\u00e4nder dazu verpflichtet, einen festgelegten Anteil ihrer Fl\u00e4che f\u00fcr Windenergie auszuweisen), deutlich versch\u00e4rfte Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfungen sowie die umgehende Einstellung staatlicher B\u00fcrgerforen (die nach AfD-Lesart nur den Anschein demokratischer Beteiligung erweckten, tats\u00e4chlich aber dazu dienten, Windkraftprojekte gegen den Willen der Bev\u00f6lkerung durchzusetzen). Von diesen drei Forderungen ist die erste Bundesrecht, die zweite beruht auf Unionsrecht; allein die dritte l\u00e4ge tats\u00e4chlich in Landeshand.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die AfD-Anklageschrift und ihr Gegenentwurf<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Vorwurf, den das mecklenburg-vorpommersche \u00bbRegierungsprogramm\u00ab der AfD \u2014 detaillierter als das sachsen-anhaltische \u2014 erhebt, besteht aus drei Teilen. Ihm folgt ein Gegenentwurf, der ebenso ausdr\u00fccklich formuliert ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Unzuverl\u00e4ssigkeit.<\/em> Windenergie liefere nur, wenn der Wind weht. Dunkelflauten \u2014 mehrt\u00e4gige Wetterlagen mit zugleich schwachem Wind und geringer Solareinstrahlung, charakteristisch f\u00fcr den mitteleurop\u00e4ischen Winter \u2014 machten konventionelle Kraftwerke \u00bbals Backup unverzichtbar\u00ab. Windkraft ersetze sie also nicht, sie mache sie im System sogar unentbehrlicher; das sei \u00bbenergiepolitisch widersinnig\u00ab. Im sachsen-anhaltischen Programm steht derselbe Vorwurf in einem einzigen Satz: W\u00e4hrend Dunkelflauten k\u00f6nne die Stromversorgung \u00bbnur durch das Hochfahren von Kohle- und Gaskraftwerken aufrechterhalten werden\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kosten.<\/em> Windenergie funktioniere nur durch staatliche Privilegien: Vorrangeinspeisung, garantierte Verg\u00fctungen, Dauersubventionen. Und die wahren Kosten seien verborgen \u2014 Netzausbau im Fl\u00e4chenland, Reservekraftwerke, Entsch\u00e4digungen f\u00fcr abgeregelte Anlagen, Umspannwerke, Speicher, die es in der n\u00f6tigen Gr\u00f6\u00dfenordnung nicht gebe. Die B\u00fcrger zahlten \u00fcber Steuern, Abgaben und einen der h\u00f6chsten Strompreise aller Industriel\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lasten ohne Ertrag.<\/em> Der industrielle Ausbau zerschneide Lebensr\u00e4ume, ver\u00e4ndere ganze Landschaftssilhouetten in einem Land, das vom Tourismus lebt, und belaste die Anwohner mit L\u00e4rm, Infraschall, Schattenschlag und sinkenden Immobilienwerten \u2014 w\u00e4hrend die Gewinne \u00bban externe Investoren und Verbrauchszentren weit au\u00dferhalb Mecklenburg-Vorpommerns abflie\u00dfen\u00ab. Wer die Windr\u00e4der vor der T\u00fcr habe, habe nichts davon.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gegenentwurf.<\/em> Was stattdessen kommen soll, benennt das Programm mit bemerkenswerter Offenheit. Langfristiger Anker sei die Kernenergie: \u00bbWiedereinstieg in die Kernenergie \u2014 bew\u00e4hrt und zukunftsweisend\u00ab. F\u00fcr die Zeit bis dahin nennt es drei S\u00e4ulen: erstens den Betrieb moderner Gaskraftwerke, \u00bbbevorzugt mit g\u00fcnstigem Pipeline-Gas als flexiblem und effizientem Br\u00fcckenbrennstoff\u00ab; zweitens die \u00bbgezielte Nutzung von Stromimporten aus kernkraft- und wasserkraftbasierten Nachbarl\u00e4ndern\u00ab; drittens die dezentrale Erzeugung aus Biogasanlagen, die \u00bbgrundlastf\u00e4hig, regional verankert\u00ab seien und \u00bbim Einklang mit der Agrarstruktur unseres Landes\u00ab st\u00fcnden. Diese drei S\u00e4ulen sollten den Zeitraum schaffen, den ein verantwortungsvoller Wiedereinstieg in die Kernenergie brauche \u2014 \u00bbohne das Land mit weiteren Windkraftanlagen zu belasten\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Im Windschatten Washingtons<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieser R\u00fcckgriff auf Kohle, Gas und Kernkraft geschieht im Windschatten der Vereinigten Staaten. Am 23. September 2025 nannte US-Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.presidency.ucsb.edu\/documents\/remarks-the-united-nations-general-assembly-new-york-city-20\">Donald Trump<\/a> vor der 80. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen den Klimawandel den gr\u00f6\u00dften Schwindel, der je an der Welt ver\u00fcbt worden sei. Erneuerbare Energien bezeichnete er als Witz. \u00dcber Windr\u00e4der sagte er, sie seien erb\u00e4rmlich und schlecht, so teuer im Betrieb, dass sie st\u00e4ndig ersetzt werden m\u00fcssten, und beg\u00e4nnen zu rosten und zu verrotten \u2014 die teuerste Energie, die je ersonnen worden sei. Die meisten w\u00fcrden in China gebaut; China selbst habe kaum Windparks. Warum, fragte er, verkauften sie sie in alle Welt, benutzten sie aber selbst kaum?<\/p>\n\n\n\n<p>Vier Monate sp\u00e4ter bezeichnete er auf dem Weltwirtschaftsforum in <a href=\"https:\/\/www.weforum.org\/stories\/forum-institutional\/davos-2026-special-address-donald-trump-president-united-states-america\/\">Davos<\/a> Europas Windkraftanlagen als \u00bbVerlierer\u00ab und die Beamten und Investoren, die in diese Anlagen investieren, als \u00bbdumme Leute\u00ab. Das Wort hat er seither bei zahlreichen Gelegenheiten wiederholt, zuletzt am 3. August dieses Jahres im <a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/tv\/news\/trump-windmills-loser-video-b3026777.html\">Oval Office<\/a>: Jedes Land mit Windr\u00e4dern sei ein Verlierer, weil man mit Windr\u00e4dern Geld verliere.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Tage sp\u00e4ter wurde daraus Haushaltspolitik. Am 6. August 2026 gab <a href=\"https:\/\/www.rwe.com\/presse\/rwe-americas\/2026-08-06-rwe-us-offshore-schliesst-vergleichsvereinbarung-mit-us-innenministerium\/\">RWE<\/a> drei vom US-Innenministerium vergebene Offshore-Lizenzgebiete zur\u00fcck \u2014 vor New York, vor Humboldt County in Kalifornien und vor Louisiana, zusammen rund sieben Gigawatt m\u00f6glicher Leistung. Daf\u00fcr erhielt der Konzern 1,22 Milliarden US-Dollar. Zugleich k\u00fcndigte RWE an, den Erl\u00f6s in fossile Infrastruktur zu investieren: rund 900 Millionen US-Dollar in ein Fl\u00fcssigerdgasprojekt in Louisiana, weitere 300 Millionen US-Dollar in Gasturbinen. Es war die <a href=\"https:\/\/maritime-executive.com\/article\/trump-administration-to-pay-rwe-1-22b-in-fifth-deal-to-end-offshore-wind\">f\u00fcnfte<\/a> <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/trump-offshore-wind-energy-projects-fossil-fuels-d39aaf20d259d15d0777dcaec7aa3524\">Vereinbarung<\/a> dieser Art; zusammen belaufen sie sich auf ann\u00e4hernd vier Milliarden US-Dollar.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann den Wind nicht per Gesetz teurer machen. Man kann aber daf\u00fcr bezahlen, dass er nicht genutzt wird. Darin liegt das Muster, und es lohnt sich, es genau zu benennen. Niemand hat versucht, die Lernkurve der Modulfertigung zur\u00fcckzudrehen oder die Kosten der Batterieproduktion anzuheben; das ginge auch nicht. Angegriffen wird stattdessen alles, was der Preis nicht von selbst tr\u00e4gt: Genehmigungen, Fl\u00e4chen, Netze, Kapital, grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit. Der Preisverfall ist unangreifbar. Der Bau ist es nicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Windm\u00fchlen jenseits aller Illusionen<\/h3>\n\n\n\n<p>Nun die Zahlen. Sie sind nicht ernsthaft strittig und stammen aus den \u00fcblichen <a href=\"https:\/\/ember-energy.org\/latest-insights\/global-electricity-review-2026\/\">Jahresstatistiken<\/a>. Im Jahr 2025 deckte Windenergie 8,5 Prozent des weltweiten Stroms \u2014 ein historischer H\u00f6chststand \u2014 bei einer Erzeugung von 2.715 Terawattstunden, ein Zuwachs von 205 Terawattstunden gegen\u00fcber dem Vorjahr. Der Zubau an Windkapazit\u00e4t erreichte mit rund 167 Gigawatt einen Rekord, auch wenn die Realisierung elf Prozent hinter dem Ziel zur\u00fcckblieb. Wind und Sonne zusammen lieferten 17,3 Prozent des Weltstroms, fast das Vierfache ihres Anteils ein Jahrzehnt zuvor. Die erneuerbaren Energien \u00fcberholten in der weltweiten Erzeugung erstmals die Kohle.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die in New York vorgetragene Behauptung gen\u00fcgt eine einzige Angabe. China erzeugte 2025 1.135 Terawattstunden Windstrom \u2014 42 Prozent der Weltproduktion und mehr als die G7-Staaten zusammen. Auf China entfielen 68 Prozent des weltweiten Zuwachses der Winderzeugung und 72 Prozent des Kapazit\u00e4tszubaus. Der Satz, China baue Windr\u00e4der und benutze sie nicht, ist keine Frage der Auslegung. Er ist falsch, und zwar um eine aus dem Orbit erkennbare Gr\u00f6\u00dfenordnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Vorwurf, kein ernstzunehmendes Land setze auf Windenergie, gen\u00fcgt der Blick auf die Rangfolge. Unter den L\u00e4ndern mit einer Winderzeugung von mehr als f\u00fcnf Terawattstunden liegen die zehn mit dem gr\u00f6\u00dften Windanteil s\u00e4mtlich in Europa: an der Spitze D\u00e4nemark mit 58 Prozent, gefolgt von Irland mit 38 und dem Vereinigten K\u00f6nigreich mit 29. Deutschland steht mit 27 Prozent an f\u00fcnfter Stelle (s. Abb.); dieser Schwellenwert schlie\u00dft L\u00e4nder wie <a href=\"https:\/\/lowcarbonpower.org\/region\/Lithuania\">Litauen<\/a> (39 Prozent bei 4,8 Terawattstunden) und <a href=\"https:\/\/lowcarbonpower.org\/region\/Uruguay\">Uruguay<\/a> (33 Prozent bei 4,5 Terawattstunden) aus. Weltweit erzeugen inzwischen f\u00fcnfzehn L\u00e4nder mehr als ein F\u00fcnftel ihres Stroms aus Wind; 2020 waren es neun.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"743\" src=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1-1024x743.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2070\" srcset=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1-1024x743.jpg 1024w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1-300x218.jpg 300w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1-768x557.jpg 768w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1.jpg 1214w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach absoluter Menge sieht die Rangfolge anders aus, und sie ist die aufschlussreichere. Hinter China stehen an zweiter Stelle die Vereinigten Staaten mit 464 Terawattstunden \u2014 das Land, dessen Pr\u00e4sident Windr\u00e4der f\u00fcr erb\u00e4rmlich und L\u00e4nder mit Windr\u00e4dern f\u00fcr Verlierer erkl\u00e4rt, ist der zweitgr\u00f6\u00dfte Windstromerzeuger der Erde. Deutschland folgt mit 136 Terawattstunden auf Rang drei.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Kosten: Im Jahr 2024 lieferten <a href=\"https:\/\/www.irena.org\/-\/media\/Files\/IRENA\/Agency\/Publication\/2025\/Jul\/IRENA_TEC_RPGC_in_2024_2025.pdf\">91 Prozent<\/a> aller neu in Betrieb genommenen gro\u00dftechnischen Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien Strom zu geringeren Kosten als die g\u00fcnstigste neue Alternative auf Basis fossiler Brennstoffe \u2014 nicht billiger nach Subvention, sondern billiger in der zugrundeliegenden Rechnung. Mit 3,4 US-Cent pro Kilowattstunde im globalen gewichteten Mittel war die Onshore-Windenergie bei neuen Anlagen die weltweit kosteng\u00fcnstigste Form der Stromerzeugung. Deshalb schreitet der Ausbau auch dort voran, wo es keinerlei klimapolitische Verpflichtung gibt. In <a href=\"https:\/\/www.eia.gov\/energyexplained\/wind\/where-wind-power-is-harnessed.php\">Texas<\/a>, einem deregulierten Netz in einem konservativ regierten Bundesstaat, zahlt der Echtzeitmarkt schlicht die billigste Megawattstunde \u2014 und das ist seit Jahren die aus Wind. Auf Texas entfielen 2025 knapp 28 Prozent der amerikanischen Winderzeugung: 129,5 Terawattstunden, kaum weniger, als ganz Deutschland im selben Jahr erzeugte. Nicht ohne F\u00f6rderung, wohl aber ohne Klimaziel: Der Bundesstaat, der die amerikanische Ausbaustatistik anf\u00fchrt, wird von der Partei des Pr\u00e4sidenten regiert, der Windr\u00e4der f\u00fcr erb\u00e4rmlich erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>In <a href=\"https:\/\/agsi.org\/analysis\/saudi-arabia-ramps-up-renewables\/\">Saudi-Arabien<\/a> verl\u00e4uft dieselbe Rechnung \u00fcber die Opportunit\u00e4tskosten. Das K\u00f6nigreich verbrennt rund ein Drittel seiner eigenen F\u00f6rderung im Inland \u2014 etwa 3,5 von 11 Millionen Barrel t\u00e4glich \u2014 und ersetzt diesen Verbrauch planm\u00e4\u00dfig durch Gas und Solarstrom, weil jedes nicht verfeuerte Barrel auf dem Weltmarkt mehr einbringt. Das Programm zur Verdr\u00e4ngung fl\u00fcssiger Brennstoffe zielt auf \u00fcber eine Million Barrel t\u00e4glich. An der F\u00f6rderung selbst \u00e4ndert das nichts; der Energieminister hat erkl\u00e4rt, man werde jedes Molek\u00fcl zu Geld machen. Es ist keine Energiewende, sondern eine Arbitrage.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zum deutschen Fall, in dem der amerikanische Pr\u00e4sident Deutschland vor den Vereinten Nationen als Land pries, das zur Vernunft gekommen und zu fossilen Energietr\u00e4gern und zur Kernkraft zur\u00fcckgekehrt sei: Nach Angaben des <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2026\/03\/PD26_073_43312.html\">Statistischen Bundesamtes<\/a> deckten erneuerbare Energien 58,6 Prozent der Nettostromerzeugung 2025, mit Wind als gr\u00f6\u00dfter Einzelquelle und Solarstrom erstmals mehr als Braunkohle. Die Behauptung war schon falsch, als sie vorgetragen wurde, und die deutsche Erzeugungsstatistik belegt das.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Gegenentwurf in der Pr\u00fcfung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die angebotene Alternative verdient dieselbe Genauigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Kernenergie.<\/em> Man kann der Auffassung sein, dass die Kernenergie in einem dekarbonisierten System ihren Platz hat. Man kann nicht der Auffassung sein, sie sei die billige und schnell verf\u00fcgbare Option, an der die Windkraft zu messen w\u00e4re. Die j\u00fcngere westliche Bilanz besteht aus Projekten, die Jahre <a href=\"https:\/\/scienceinsights.org\/how-long-does-it-take-to-build-a-nuclear-reactor\/\">zu sp\u00e4t<\/a> und Milliarden <a href=\"https:\/\/www.cell.com\/joule\/pdfExtended\/S2542-4351(20)30458-X\">zu teuer<\/a> fertig wurden: Flamanville 3 (Baubeginn 2007, Netzanschluss 2024); Olkiluoto 3 (2005 bis 2023); Hinkley Point C (seit 2017 im Bau); <a href=\"https:\/\/energytransition.org\/2026\/04\/the-billion-dollar-boondoggle-how-vogtle-became-the-uss-monument-to-nuclear-folly\/\">Vogtle<\/a> in Georgia (Investitionskosten haben sich von 14 Milliarden auf 36,8 Milliarden US-Dollar mehr als verzweieinhalbfacht). Die Wirtschaftlichkeit kleiner modularer Reaktoren ist unbewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus folgt eine schlichte Rechnung. Ein im Jahr 2026 gefasster Beschluss m\u00fcsste den Ausstiegsbeschluss revidieren, einen Standort finden, ein Genehmigungsverfahren durchlaufen und einen Betreiber gewinnen, der bereit w\u00e4re, das Risiko zu tragen \u2014 und lieferte danach Strom in den vierziger Jahren. Damit ist die Br\u00fccke keine Br\u00fccke. Gas und Stromimporte sind, auf jeden politisch relevanten Zeithorizont, nicht der \u00dcbergang zur Kernenergie. Sie sind die Politik selbst. Die Kernenergie ist der Fluchtpunkt, der sie rechtfertigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Behauptung, die <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=CELEX%3A32022R1214\">Europ\u00e4ische Union<\/a> habe die Kernenergie als klimavertr\u00e4gliche Investition in ihre Taxonomie aufgenommen: Das trifft zu, aber unvollst\u00e4ndig. Die Aufnahme erfolgte 2022 als \u00dcbergangst\u00e4tigkeit und unter Auflagen, unter anderem zu Entsorgungspl\u00e4nen und unfalltoleranten Brennelementen, und sie war unter den Mitgliedstaaten heftig umstritten; \u00d6sterreich klagte dagegen vor dem Gericht der Europ\u00e4ischen Union und <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=CELEX:62022TJ0625\">unterlag<\/a> am 10. September 2025; gegen diese Entscheidung hat <a href=\"https:\/\/www.bmluk.gv.at\/themen\/klima-und-umwelt\/nachhaltigkeit\/green-economy-und-green-finance\/green-finance\/finanzen\/eu-strategie\/taxonomie\/eu-taxonomie-vo.html\">das Land<\/a> im November 2025 Rechtsmittel beim Europ\u00e4ischen Gerichtshof eingelegt. Und die Rede vom \u00bbwachsenden globalen Konsens\u00ab ist eine Behauptung, keine Feststellung: Die Erzeugung aus Kernkraft stagniert seit Jahren nahezu, mit 0,2 Prozent j\u00e4hrlichem Wachstum im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2024, w\u00e4hrend Solar um 25 und Wind um 12 Prozent zulegten. Der <a href=\"https:\/\/ember-energy.org\/app\/uploads\/2026\/04\/Global-Electricity-Review-2026.pdf\">Anteil der Kernenergie<\/a> an der weltweiten Stromerzeugung ist seit Jahrzehnten r\u00fcckl\u00e4ufig und bis 2025 auf 8,9 Prozent gesunken, w\u00e4hrend Wind und Solar zusammen 17,3 Prozent erreichten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Stromimporte.<\/em> Die zweite S\u00e4ule widerspricht dem ersten Vorwurf. Ein Programm, dessen Kernanklage gegen die Windkraft die Abh\u00e4ngigkeit ist, empfiehlt als Ersatz den Bezug von Strom aus dem Ausland \u2014 und zwar f\u00fcr ein Bundesland, das seit 2015 mehr erneuerbaren Strom erzeugt, als es verbraucht. Mecklenburg-Vorpommern soll vom Netto-Erzeuger zum Importeur werden, im Namen der Unabh\u00e4ngigkeit. Eine Leitung, die eine Grenze \u00fcberquert, schafft eine Abh\u00e4ngigkeit, die Politik durchtrennen kann. Der \u00fcber das K\u00fcstenbundesland wehende Wind schafft keine.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Biogas.<\/em> Die dritte S\u00e4ule widerspricht dem Solarkapitel desselben Programms. Freifl\u00e4chen-Photovoltaik wird dort mit der Begr\u00fcndung abgelehnt, hochwertige Ackerfl\u00e4chen d\u00fcrften dem Nahrungsmittelanbau nicht entzogen werden; \u00bbFl\u00e4chenschutz ist Heimat- und Umweltschutz\u00ab. Der Anbau von Energiepflanzen f\u00fcr Biogasanlagen entzieht Ackerfl\u00e4chen dem Nahrungsmittelanbau \u2014 dauerhaft, gro\u00dffl\u00e4chig und in Mecklenburg-Vorpommern bereits in erheblichem Umfang. Dieselbe Fl\u00e4chenkonkurrenz ist bei der Solarenergie ein Ausschlussgrund und beim Biogas ein Vorzug. Das ist keine Abw\u00e4gung. Das ist eine Auswahl.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Einw\u00e4nde<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Kommentar, der die Einw\u00e4nde \u00fcbergeht, hat nichts bewiesen. Also der Reihe nach.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Dunkelflaute.<\/em> Der Einwand ist berechtigt und wird hier nicht bestritten: Ein wind- und sonnenlastiges System braucht mehr gesicherte Leistung, nicht weniger. Das ist keine Konzession an die AfD, sondern eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit der Systemplanung. Strittig ist allein, was daraus folgt. Die Antwort der <a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/2071-1050\/18\/5\/2659\">Fachliteratur<\/a> ist ein nach Dauer gestaffelter Speicher- und Flexibilit\u00e4tsstapel: Batterien f\u00fcr den Tagesgang, deren Kosten in den letzten f\u00fcnfzehn Jahren um mehr als neun Zehntel gefallen sind; Pumpspeicher und Speicherwasserkraft f\u00fcr Stunden bis Tage; Wasserstoff in Kavernen f\u00fcr die saisonale L\u00fccke; dazu Lastmanagement, Netzausbau und grenz\u00fcberschreitende Kuppelleitungen. Jede dieser Schichten hat eigene Grenzen, und die ehrliche Bilanz lautet: Saubere Energie ist im Durchschnitt reichlich und an der Spitze teuer. Das ist ein Systemproblem, kein Argument gegen die Erzeugung. Und es hat eine Voraussetzung, die im Programm nicht vorkommt: Netze und Kuppelleitungen. Wer sie verhindert, versch\u00e4rft genau das Problem, das er beklagt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Infraschall.<\/em> Hier lohnt die Genauigkeit besonders. Die Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe ver\u00f6ffentlichte 2005 eine Studie, die den Infraschallpegel von Windenergieanlagen mit \u00fcber 100 Dezibel angab. Wissenschaftler der Universit\u00e4ten Bayreuth und Erlangen \u2014 Stefan Holzheu und Martin Hundhausen \u2014 wiesen jahrelang auf einen Rechenfehler hin. Im Jahr 2021 r\u00e4umte die BGR nach Pr\u00fcfung durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt ein, die Werte seien um 36 Dezibel zu hoch angesetzt worden; auf der logarithmischen Skala entspricht das in der Schallleistung etwa dem Viertausendfachen. Die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Windkraftanlagen-mit-weniger-Dezibel\/!5762506\/\">Studie wurde zur\u00fcckgezogen<\/a>, der damalige Bundeswirtschaftsminister entschuldigte sich. Sechzehn Jahre lang war eine Bundesbeh\u00f6rde Stichwortgeberin der Windkraftgegner gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorgang ist deshalb so aufschlussreich, weil die Behauptung mit ihrer Widerlegung nicht verschwand. Sie wird weiter vorgetragen. Man halte diesen Umstand fest; wir kommen darauf zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><em>V\u00f6gel und Flederm\u00e4use.<\/em> Hier ist die redliche Antwort zweiteilig. Erstens die Gr\u00f6\u00dfenordnung: Der <a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/tiere-und-pflanzen\/voegel\/gefaehrdungen\/24661.html\">NABU<\/a> sch\u00e4tzt die Zahl der j\u00e4hrlich an Windenergieanlagen verungl\u00fcckten V\u00f6gel in Deutschland auf rund 100.000. Dem stehen nach Sch\u00e4tzungen desselben Verbandes bis zu 115 Millionen V\u00f6gel gegen\u00fcber, die j\u00e4hrlich an Glasscheiben und verspiegelten Fassaden sterben, sowie zweistellige Millionenzahlen durch Hauskatzen und den Stra\u00dfenverkehr. Der Unterschied betr\u00e4gt rund drei Gr\u00f6\u00dfenordnungen. Wer den Vogelschutz zum Argument gegen die Windkraft macht und \u00fcber Glasfassaden schweigt, f\u00fchrt keine Naturschutzdebatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens die Einschr\u00e4nkung, die dazugeh\u00f6rt: Absolute Zahlen sind nicht alles. Die Kollisionen an Windenergieanlagen treffen \u00fcberproportional gro\u00dfe Greifv\u00f6gel \u2014 nach NABU-Sch\u00e4tzung etwa 12.000 M\u00e4usebussarde und 1.500 Rotmilane j\u00e4hrlich \u2014, also Arten mit geringer Bestandsdichte und langsamer Reproduktion, die von Glasscheiben kaum betroffen sind. Das ist ein realer Konflikt, und er verlangt reale Antworten: Standortwahl, Abschaltalgorithmen, Antikollisionssysteme, Fledermaus-Abschaltzeiten. Er verlangt nicht die Abschaffung der Fl\u00e4chenziele.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Rotorbl\u00e4tter.<\/em> Das Programm behauptet, Rotorbl\u00e4tter aus Verbundmaterialien lie\u00dfen sich nicht recyceln, und leitet daraus eine \u00bbSchulden\u00f6kologie\u00ab gegen\u00fcber der n\u00e4chsten Generation ab. Der <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/1182914\/WD-8-022-26.pdf\">Befund<\/a> ist differenzierter. Etwa 90 Prozent einer Windenergieanlage \u2014 Beton, Stahl, Kupfer \u2014 sind bereits heute etablierten Recyclingkreisl\u00e4ufen zug\u00e4nglich; die Rotorbl\u00e4tter machen bis zu f\u00fcnf Prozent des Anlagengewichts aus. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages nennt f\u00fcr fachgerecht zur\u00fcckgebaute Anlagen eine erreichbare Recyclingquote von 81 Prozent. Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der europ\u00e4ischen Windbranche ein freiwilliges <a href=\"https:\/\/windeurope.org\/news\/where-do-wind-turbine-blades-go-when-they-are-decommissioned\/\">Deponierungsverbot<\/a> f\u00fcr Rotorbl\u00e4tter. Verfahren zur stofflichen R\u00fcckgewinnung \u2014 Pyrolyse, Zementwerksverwertung, mechanische Aufbereitung \u2014 existieren und liefern Sekund\u00e4rrohstoffe.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich ist richtig, was das B\u00fcro f\u00fcr Technikfolgen-Absch\u00e4tzung beim Deutschen Bundestag im Januar 2026 festh\u00e4lt: Gro\u00dftechnisch etablierte stoffliche Verwertungswege fehlen bislang, und die Behandlungskapazit\u00e4ten in Deutschland reichen f\u00fcr die kommenden Mengen nicht aus. Ein ungel\u00f6stes Problem also \u2014 aber eines der Kapazit\u00e4t und der Regulierung, nicht der Physik. Der Satz \u00bbl\u00e4sst sich nicht recyceln\u00ab war einmal vertretbar. Er ist es nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der R\u00fcckbau.<\/em> Auch dieser Einwand kehrt sich um. Die <a href=\"https:\/\/www.wind-energie.de\/fileadmin\/redaktion\/dokumente\/hintergrundpapiere-oeffentlich\/themen\/Technik\/20180611_bwe_hintergrundpapier_rueckbau.pdf#:~:text=Die%20R%C3%BCckbauverpflichtung%20f%C3%BCr%20WEA%20findet%20ihre%20Rechtsgrundlage%20im,nach%20dauerhafter%20Nutzungsaufgabe%20der%20Anlage%20verbunden%20werden%20muss.\">R\u00fcckbauverpflichtung<\/a> samt Sicherheitsleistung ist im deutschen <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bbaug\/__35.html\">Baurecht<\/a> f\u00fcr Windenergieanlagen im Au\u00dfenbereich ausdr\u00fccklich geregelt (\u00a7 35 Absatz 5 Satz 2 und 3 BauGB) \u2014 anders als bei praktisch jeder anderen Erzeugungsform. Wer die Folgekosten einer Technologie am Ende ihrer Lebensdauer zum Ma\u00dfstab macht, sollte die Zahlen f\u00fcr Braunkohletagebaue, Kraftwerksr\u00fcckbau und die Endlagerung hochradioaktiver Abf\u00e4lle danebenlegen. Bei letzterer ist die Frage nach \u00fcber sechzig Jahren zivilen Betriebs in Deutschland nicht gel\u00f6st; ein Standort ist nicht gefunden. Es ist bemerkenswert, dass ein Programm, das den R\u00fcckbau von Windr\u00e4dern zur Generationenfrage erkl\u00e4rt, den Wiedereinstieg in eine Technologie fordert, deren R\u00fcckbaufrage sich in Jahrtausenden bemisst.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Subventionen.<\/em> Die EEG-Umlage wurde 2022 abgeschafft. Neue Windprojekte werden in Ausschreibungen vergeben; die mittleren Zuschlagswerte sind zuletzt gesunken, weshalb die Bundesnetzagentur den H\u00f6chstwert absenken konnte. Vor allem aber darf die Subventionsrechnung nicht einseitig gef\u00fchrt werden. Die expliziten Subventionen f\u00fcr fossile Brennstoffe beliefen sich 2024 nach Berechnungen des <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/-\/media\/files\/publications\/wp\/2025\/english\/wpiea2025270-source-pdf.pdf\">Internationalen W\u00e4hrungsfonds<\/a> auf rund 725 Milliarden US-Dollar weltweit; rechnet man die nicht eingepreisten Umwelt- und Gesundheitssch\u00e4den hinzu, kommt der Fonds auf eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von 6,7 Billionen. Wer \u00fcber Dauersubventionen sprechen m\u00f6chte, hat ein Thema \u2014 nur ein anderes als das gew\u00e4hlte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Landschaft.<\/em> Hier\u00fcber l\u00e4sst sich nicht mit Zahlen streiten, und man sollte es auch nicht versuchen. Dass ein Windpark das Bild einer Landschaft ver\u00e4ndert, ist wahr; dass viele Menschen das als Verlust empfinden, ist ein Umstand, den ernst zu nehmen die Politik verpflichtet ist. Nur ist dieser Verlust gegen andere Landschaftsver\u00e4nderungen abzuw\u00e4gen \u2014 gegen den Tagebau, gegen die Trasse, gegen die K\u00fcstenlinie bei drei Grad Erw\u00e4rmung \u2014, und die Abw\u00e4gung wird im Programm nicht gef\u00fchrt. Sie wird durch die Behauptung ersetzt, es gebe eine Option ohne Eingriff. Die gibt es nicht..<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Preise und Kosten<\/h3>\n\n\n\n<p>Hier wendet sich das Argument, und es wendet sich gegen diejenigen, die es vortragen. Die europ\u00e4ischen <a href=\"https:\/\/www.pv-magazine.de\/2026\/01\/05\/hoch-und-niedrigpreiszeiten-nehmen-2025-zu\/\">Gro\u00dfhandelsm\u00e4rkte<\/a> f\u00fcr Strom r\u00e4umen nach der <em>Merit Order<\/em>: Die g\u00fcnstigsten Kraftwerke laufen zuerst, und den Preis f\u00fcr alle setzt das teuerste Kraftwerk, das in der jeweiligen Stunde noch gebraucht wird. In <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2026\/03\/PD26_073_43312.html\">Deutschland<\/a> machte 2025 der konventionelle Anteil an der Stromeinspeisung \u2014 der Nettostromerzeugung, also der Bruttoerzeugung ohne den Eigenbedarf der Kraftwerke \u2014 noch 41,4 Prozent aus; solange das so ist, ist in den Abend- und Winterstunden regelm\u00e4\u00dfig ein Gaskraftwerk das Grenzkraftwerk. Der <a href=\"https:\/\/www.smard.de\/page\/home\/topic-article\/46\/218364\/modellierte-strompreise\">Strompreis<\/a>, \u00fcber den deutsche Haushalte klagen \u2014 er geh\u00f6rt zu den h\u00f6chsten in Europa \u2014, setzt sich aus den Kosten der Strombeschaffung, den Vertriebskosten und der Marge sowie aus Netzentgelten, Steuern, Umlagen und Abgaben zusammen. Von diesen Bestandteilen bewegt sich unterj\u00e4hrig allein die Beschaffung; wenn der Preis springt, dann \u00fcber sie. Und eben dieser Teil ist in betr\u00e4chtlichem Umfang ein Gaspreis.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2022 hat jeder gelernt, was das bedeutet. Als Russland die Lieferungen nach Europa drosselte, stiegen die Gro\u00dfhandelspreise f\u00fcr Gas auf ein Vielfaches ihres historischen Niveaus, und die Strompreise folgten, weil Gas sie setzte. Kein Windrad hat das getan. Keine Solaranlage hat das getan. Der Mechanismus war ein Brennstoff, der bei jemandem gekauft, von irgendwoher verschifft und zu dem Preis bezahlt werden muss, den der Verk\u00e4ufer in einer Krise durchsetzen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wind und Sonne haben keine Brennstoffrechnung. Ihre Grenzkosten liegen nahe null, und jede Stunde, in der sie laufen, ist eine Stunde, in der kein Gaskraftwerk den Preis setzt. Ihr Beitrag zur Stromrechnung besteht aus Kapital- und Systemkosten; ihr Beitrag zur Abh\u00e4ngigkeit der Stromrechnung von Brennstoffpreisen und au\u00dfenpolitischen Erpressungslagen ist negativ. Sie sind derjenige Teil des Systems, der nicht embargiert, nicht an einer Verdichterstation abgedreht und nicht von einer fremden Regierung mitten in einer Februark\u00e4lte neu bepreist werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Logik des Programms l\u00e4uft also r\u00fcckw\u00e4rts. Eine Politik, die den Windanteil senkt, senkt nicht den Preis, \u00fcber den die AfD klagt. Sie erh\u00f6ht die Zahl der Stunden, in denen Gas diesen Preis setzt, und sie erh\u00f6ht die Verwundbarkeit eines Landes \u2014 und eines Bundeslandes \u2014 gegen\u00fcber genau jenem Schock, der die Krise von 2022 erzeugt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00f6\u00dfenordnung l\u00e4sst sich beziffern. Die Windkraftanlagen Mecklenburg-Vorpommerns erzeugten nach dem j\u00fcngsten vorliegenden Wert des <a href=\"https:\/\/www.laiv-mv.de\/static\/LAIV\/Abt4.Statistisches%20Amt\/Dateien\/Publikationen\/Statistisches%20Jahrbuch\/Aktuell%20nach%20Kapiteln\/19%20Energie.pdf\">Statistischen Amtes<\/a> f\u00fcr das Jahr 2023 11,6 Terawattstunden Strom im Jahr; in Gaskraftwerken w\u00e4ren bei effizientester Technologie daf\u00fcr rund 19 Terawattstunden Erdgas n\u00f6tig. Selbst bei der Annahme eines extrem g\u00fcnstigen Gaspreises von 30 Euro pro Megawattstunde erg\u00e4be sich eine Importrechnung von knapp 600 Millionen Euro, zuz\u00fcglich gut 300 Millionen f\u00fcr knapp 3,9 Millionen Tonnen zus\u00e4tzliches CO\u2082. Bundesweit gerechnet \u2014 auf Grundlage des niedrigsten verf\u00fcgbaren Wertes f\u00fcr die deutsche Winderzeugung 2025, der \u00f6ffentlichen Nettostromerzeugung nach <a href=\"https:\/\/www.energy-charts.info\/charts\/energy\/chart.htm?l=en&amp;c=DE&amp;interval=year&amp;legendItems=0xfvnu&amp;year=2025\">Fraunhofer ISE<\/a> (was die Rechnung eher zu niedrig ausfallen l\u00e4sst) \u2014 w\u00e4ren es knapp 6,6 Milliarden Euro und 44 Millionen Tonnen, zusammen rund 10 Milliarden Euro Mehrkosten (s. Tabelle). Es ist Geld, das Jahr f\u00fcr Jahr f\u00fcr einen Rohstoff das Land verl\u00e4sst beziehungsweise als volkswirtschaftliche Mehrkosten anf\u00e4llt \u2014 f\u00fcr eine Ressource, die \u00fcber Mecklenburg-Vorpommern, zumal an der Ostseek\u00fcste, kostenlos zur Verf\u00fcgung steht. Eine teilweise Substitution der Windenergie durch Kohle w\u00fcrde die CO\u2082-Rechnung noch weiter erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"777\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1-777x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2073\" srcset=\"https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1-777x1024.png 777w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1-228x300.png 228w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1-768x1013.png 768w, https:\/\/olters.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1.png 945w\" sizes=\"auto, (max-width: 777px) 100vw, 777px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welches Pipeline-Gas?<\/h3>\n\n\n\n<p>Man muss nicht raten. Das Programm sagt es. Unter der \u00dcberschrift \u00bbNord Stream: sichere und bezahlbare Energie durch Pipelinegas\u00ab nennt es die Leitung nicht nur einen energiepolitischen Faktor, sondern einen \u00bbwirtschaftlichen Stabilit\u00e4tsanker\u00ab. Es fordert, \u00bbder noch intakte Strang B von Nord Stream 2\u00ab solle \u00bbso schnell wie m\u00f6glich in Betrieb genommen, die besch\u00e4digten Leitungen sollen zeitnah repariert werden\u00ab. Und es f\u00fcgt den Satz hinzu, der alles Weitere \u00fcberfl\u00fcssig macht: \u00bbDie wirtschaftliche [<em>sic<\/em>] Interessen Deutschlands sind dabei unabh\u00e4ngig vom politischen System des Lieferlandes zu wahren.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit schlie\u00dft die AfD den Kreis selbst. Der Vorwurf gegen die Windkraft lautete Abh\u00e4ngigkeit; das Gegenmittel ist eine Leitung nach Russland. Der Vorwurf lautete Unzuverl\u00e4ssigkeit; das Gegenmittel ist der Lieferant, der Europa 2022 den Hahn zudrehte. Der Vorwurf lautete Preistreiberei; das Gegenmittel ist der Brennstoff, dessen Preissprung jene Rechnungen in die H\u00f6he trieb, \u00fcber die das Programm klagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei weitere S\u00e4tze verdienen Aufmerksamkeit, weil sie das Argument dieses Kommentars in den Worten seines Gegners formulieren. Der erste: Eine breite Diversifizierung der Bezugsquellen reduziere Abh\u00e4ngigkeiten und sch\u00fctze vor extremen Preisschwankungen. Das ist zutreffend \u2014 und es ist der Grund f\u00fcr den Ausbau erneuerbarer Erzeugung, die die Diversifizierung bis an ihre Grenze treibt, n\u00e4mlich bis zum Wegfall des Lieferanten. Der zweite: Der Schutz deutscher Infrastruktur und die Durchsetzung deutscher Interessen seien nicht verhandelbar. Er steht unmittelbar hinter der Forderung, die Belieferung durch jenen Staat wiederaufzunehmen, dessen Lieferstopp die Krise von 2022 ausl\u00f6ste.<\/p>\n\n\n\n<p>Rechtlich ist die Forderung ohnehin gegenstandslos. \u00dcber <a href=\"https:\/\/germany.representation.ec.europa.eu\/nachrichten-und-veranstaltungen\/pressemitteilungen\/eu-einigt-sich-auf-ausstieg-aus-russischen-gasimporten-2025-12-03_de\">Gasimporte<\/a> entscheidet kein Landtag, und die im Dezember 2025 zwischen Rat und Parlament vereinbarte und im Februar 2026 in Kraft getretene <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/HTML\/?uri=OJ:L_202600261\">Verordnung (EU) 2026\/261<\/a> l\u00e4sst russisches Pipeline-Gas Ende September 2027 \u2014 in eng begrenzten Ausnahmef\u00e4llen Anfang November 2027 \u2014 auslaufen. Was hier versprochen wird, ist in Schwerin nicht einl\u00f6sbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide S\u00e4ulen dieses Programms haben in Mecklenburg-Vorpommern eine Adresse, und es ist dieselbe. In Lubmin landen die R\u00f6hren von Nord Stream 1 und 2 an; zwei Kilometer weiter steht das Kernkraftwerk Greifswald, seit 1990 stillgelegt, daneben das Entsorgungswerk, das es seither zerlegt. Die Pipelines liegen still, der Reaktor wird abgebaut, und das Regasifizierungsschiff, das dort nur <a href=\"https:\/\/content.deutsche-regas.de\/content\/press-releases\/DRG_20240504_Presseinformation_Deutsche-ReGas_Regasifizierungsschiff-Neptune-aus-Lubmin-verschleppt.pdf\">f\u00fcnfzehn<\/a> Monate lang einspeiste, ist l\u00e4ngst abgezogen. Die Zukunft, die das Programm verspricht, ist in Lubmin bereits Gegenwart \u2014 mit einer Rechnung, die die obige Tabelle vorausahnen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Profiteure eines energiepolitischen R\u00fcckschritts<\/h3>\n\n\n\n<p>Damit steht die eigentliche Frage im Raum: Jede Kilowattstunde, die nicht aus Wind erzeugt wird, ist eine Kilowattstunde, die als Brennstoff bei jemandem gekauft werden muss, der Brennstoff verkauft. Die \u00d6l- und Gasproduzenten der Welt haben im vergangenen Jahrzehnt Preissetzungsmacht verloren \u2014 nicht an einen Vertrag, sondern an eine Kostenkurve. Was die Kostenkurve aufh\u00e4lt, gibt sie ihnen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Das muss keine Behauptung \u00fcber die Absichten irgendeines Beteiligten sein, und sie wird hiermit auch nicht aufgestellt. Es ist eine Aussage \u00fcber Wirkungen, und Wirkungen lassen sich einer Bilanz entnehmen. Wenn das Innenministerium der Vereinigten Staaten RWE 1,22 Milliarden US-Dollar daf\u00fcr zahlt, sieben Gigawatt Offshore-Wind aufzugeben, und RWE den Erl\u00f6s in Fl\u00fcssigerdgas investiert, dann hat dieses Gesch\u00e4ft einen Beg\u00fcnstigten, und es ist nicht der amerikanische Stromkunde. Im Rahmen des transatlantischen Handelsabkommens hat sich die Europ\u00e4ische Union zugleich verpflichtet, \u00fcber drei Jahre Energie in erheblichem Umfang aus den Vereinigten Staaten zu beziehen. Und wenn Mecklenburg-Vorpommern aufgefordert wird, seine Fl\u00e4chenverpflichtung abzuschaffen und stattdessen auf russisches Pipelinegas zu setzen, dann wird die entstehende L\u00fccke nicht von nichts gef\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Widerstand gegen die Windkraft und die Forderung nach russischem Gas stehen in diesem Programm nicht zuf\u00e4llig nebeneinander. Sie sind dieselbe Politik, von zwei Seiten beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Energiewende<\/h3>\n\n\n\n<p>Bleibt die Frage, wie es um die \u00fcbergeordnete Energiewende als eigentliches Ziel des Angriffes auf die Windm\u00fchlen tats\u00e4chlich steht. Im K\u00fcstenbundesland Mecklenburg-Vorpommern deckten erneuerbare Energietr\u00e4ger 2023, dem j\u00fcngsten vorliegenden Wert des <a href=\"https:\/\/www.laiv-mv.de\/static\/LAIV\/Abt4.Statistisches%20Amt\/Dateien\/Publikationen\/Statistisches%20Jahrbuch\/Aktuell%20nach%20Kapiteln\/19%20Energie.pdf\">Statistischen Amtes<\/a>, knapp 88 Prozent der Bruttostromerzeugung \u2014 der h\u00f6chste Wert aller Bundesl\u00e4nder und damit gut das Anderthalbfache des Bundesdurchschnitts. Steinkohle und Erdgas trugen zusammen noch knapp zw\u00f6lf Prozent bei. Die Windkraft allein lieferte 11,6 der insgesamt 19,1 Terawattstunden: <em>gut 60 Prozent der gesamten Stromerzeugung des Landes und mehr als das Zehnfache dessen, was die Gaskraftwerke beisteuerten.<\/em> Seit 2015 ist das Land rechnerisch Netto-Erzeuger; es produziert mehr erneuerbaren Strom, als es verbraucht. Das ist keine Last, die dem Land auferlegt wurde. Es ist die erfolgreichste Ansiedlung von Erzeugungskapazit\u00e4t seit der Wende.<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Ausbau stockt nicht. 2025 speisten in <a href=\"https:\/\/www.laiv-mv.de\/static\/LAIV\/Statistik\/Dateien\/Publikationen\/Kurzberichte\/Energie\/KB_Anlagen_zur_Stromerzeugung_aus_erneuerbaren_Energien_2025.pdf\">Mecklenburg-Vorpommern<\/a> 78.674 Erneuerbaren-Anlagen mit zusammen 11.179 Megawatt in das Netz ein \u2014 rund 14.000 Anlagen mehr als im Jahr zuvor, fast ausschlie\u00dflich Photovoltaik, deren installierte Leistung mit 4.990 Megawatt inzwischen nahe an die 5.738 Megawatt der Windkraft heranreicht. <a href=\"https:\/\/www.fachagentur-wind-solar.de\/veroeffentlichungen\/mediathek\/detail\/status-des-windenergieausbaus-an-land-in-deutschland-im-1-halbjahr-2026\">Bundesweit<\/a> war 2025 mit 20.765 Megawatt neu genehmigter Leistung das beste Genehmigungsjahr der deutschen Geschichte; die durchschnittliche Genehmigungsdauer fiel von 23,2 auf 17,0 Monate. Die Ausschreibungen sind \u00fcberzeichnet, die mittleren Zuschlagswerte sinken, die Bundesnetzagentur hat den H\u00f6chstwert daraufhin gesenkt. Der Wettbewerb funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Woran es hakt, liegt hinter dem Generator. Die Netze halten mit der Erzeugung nicht Schritt \u2014 der Netzanschluss, nicht die Genehmigung, ist inzwischen das Nadel\u00f6hr. Speicher entstehen in der ben\u00f6tigten Gr\u00f6\u00dfenordnung erst. Und das Gef\u00e4lle zwischen Nord und S\u00fcd ist gravierend: 54 Prozent aller seit 2013 genehmigten Windleistung entfielen auf Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, gerade acht Prozent auf Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg zusammen \u2014 bei gr\u00f6\u00dferer Fl\u00e4che und geringerer Besiedlungsdichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Man beachte, dass in dieser Aufz\u00e4hlung kein einziges Windrad vorkommt. Was die Energiewende bremst, ist nicht die Erzeugung. Es ist alles, was das Preissignal nicht von selbst tr\u00e4gt \u2014 genau jene Ebene, auf der, wie der amerikanische \u00bbWindschatten\u00ab gezeigt hat, der politische Angriff ansetzt. Wer die Fl\u00e4chenziele abschafft, beschleunigt keinen Netzausbau. Er entfernt das Einzige, was bereits funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Kostenrechnung h\u00e4lt der Pr\u00fcfung nicht stand. Das Programm nennt die Entsch\u00e4digungen f\u00fcr abgeregelte Anlagen unter den verborgenen Kostentreibern. Die Bundesnetzagentur hat die Zahlen f\u00fcr 2025 vorgelegt: Das gesamte <a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/DE\/Fachthemen\/ElektrizitaetundGas\/Versorgungssicherheit\/Netzengpassmanagement\/start.html\">Netzengpassmanagement<\/a> kostete rund 3,1 Milliarden Euro. Auf die Entsch\u00e4digung abgeregelter Wind- und Solaranlagen entfielen davon 433 Millionen. Die gro\u00dfen Bl\u00f6cke waren konventioneller Redispatch mit \u00fcber 1,2 Milliarden und Reservekraftwerke mit 1,4 Milliarden \u2014 fossile Anlagen also. Abgeregelt wurden 3,5 Prozent der erneuerbaren Erzeugung; \u00fcber 96 Prozent kamen an. Und der Kostengipfel lag 2022, als teures Gas im S\u00fcden hochgefahren werden musste, w\u00e4hrend billiger Wind im Norden stillstand. Die Redispatch-Rechnung steigt mit dem Gaspreis. Sie ist ein Argument f\u00fcr mehr Netz, nicht f\u00fcr weniger Wind.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zu dem Vorwurf, der zutraf. Bis einschlie\u00dflich 2024 zahlten ausgerechnet die Regionen, die den Strom f\u00fcr ganz Deutschland erzeugen, die h\u00f6chsten Netzentgelte \u2014 die Kosten des Netzumbaus fielen dort an, wo die Anlagen stehen, w\u00e4hrend der Strom anderswo verbraucht wird. Das war ungerecht, es war messbar, und es ist behoben: Seit dem 1. Januar 2025 werden diese Mehrkosten bundesweit umgelegt. Im Netzgebiet der WEMAG in Mecklenburg-Vorpommern sanken die <a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2024\/20241018_Netzkosten.html\">Netzentgelte<\/a> f\u00fcr Haushalte um ann\u00e4hernd 40 Prozent, mehr als 200 Euro im Jahr; im E.DIS-Gebiet um rund ein F\u00fcnftel. Gefordert hatte die Reform, \u00fcber Jahre, die Landesregierung in Schwerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Teil des Vorwurfs \u2014 die Gewinne fl\u00f6ssen ab, die Anwohner gingen leer aus \u2014 trifft auf Mecklenburg-Vorpommern noch weniger zu, und zwar aus einem Grund, auf den das Land stolz sein d\u00fcrfte. Seit dem 28. Mai 2016 gilt hier das <a href=\"https:\/\/www.regierung-mv.de\/Landesregierung\/wm\/Energie\/Wind\/B%C3%BCrger-und-Gemeindebeteiligungsgesetz\/\">B\u00fcrger- und Gemeindenbeteiligungsgesetz<\/a>: Wer einen Windpark errichtet, muss daf\u00fcr eine eigene Projektgesellschaft gr\u00fcnden und mindestens 20 Prozent ihrer Anteile den Anwohnern im Umkreis von f\u00fcnf Kilometern und den standortnahen Gemeinden anbieten, ein Anteil zu h\u00f6chstens 500 Euro. Das <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2022\/03\/rs20220323_1bvr118717.html\">Bundesverfassungsgericht<\/a> hat das Gesetz 2022 ganz \u00fcberwiegend best\u00e4tigt. Im M\u00e4rz 2026 hat der Landtag es novelliert, den Gemeinden Verhandlungsspielraum gegeben und Solarparks einbezogen. Mecklenburg-Vorpommern hat damit bundesweit Neuland betreten; andere L\u00e4nder sind gefolgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist unvollkommen \u2014 Vereinbarungen kamen nicht in jedem Fall zustande, was der Grund f\u00fcr die Novelle war. Aber die Behauptung, wer die Windr\u00e4der vor der T\u00fcr habe, habe nichts davon, ist in diesem Bundesland seit zehn Jahren durch Landesrecht widerlegt, h\u00f6chstrichterlich best\u00e4tigt und wenige Monate vor Abfassung des Regierungsprogramms erneuert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist beisammen, was die Energiewende gelingen l\u00e4sst: Netze und Speicher in dem Tempo, in dem die Erzeugung bereits w\u00e4chst; ein Lastenausgleich zwischen den Regionen, der seit 2025 funktioniert; und die Beteiligung derer, die vor Ort tragen, was das ganze Land verbraucht. Zwei dieser drei Bedingungen sind erf\u00fcllt oder auf dem Weg. Keine davon wird durch die Abschaffung von Fl\u00e4chenzielen bef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und eine vierte Bedingung, die selten mitgenannt wird, weil sie nicht in die Energiepolitik geh\u00f6rt, sondern in die Au\u00dfenwirtschaftspolitik. In der gegenw\u00e4rtigen geopolitischen Lage ist jede im Inland erzeugte Kilowattstunde zugleich ein St\u00fcck De-Risking: eine, die nicht bestellt, nicht verschifft, nicht durch eine Pipeline geleitet und nicht bei einem Lieferanten gekauft werden muss, dessen Interessen den eigenen zuwiderlaufen k\u00f6nnen. Der Anteil russischen Gases an den EU-Importen fiel von rund 45 Prozent vor dem \u00dcberfall auf die Ukraine auf 19 Prozent im Jahr 2024 und gesch\u00e4tzte 13 Prozent 2025; im Dezember 2025 haben Rat und Parlament das endg\u00fcltige Auslaufen beschlossen \u2014 Fl\u00fcssigerdgas bis Ende 2026, Pipelinegas bis Ende September 2027. Diese Entscheidung war keine klimapolitische. Sie war eine au\u00dfenpolitische, und die erneuerbare Erzeugung hat sie \u00fcberhaupt erst bezahlbar gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit f\u00fcgt sich die Energiestrategie in die \u00fcbergeordnete Au\u00dfenwirtschaftspolitik ein, statt neben ihr zu stehen. Sie ist der einzige Teil der Versorgungssicherheit, der auf keiner Lieferbeziehung beruht, und damit der einzige, den keine fremde Regierung als Druckmittel gebrauchen kann. Wer den Zubau bremst, verzichtet nicht nur auf billigen Strom; er verzichtet auf au\u00dfenpolitische Handlungsfreiheit und muss die Abh\u00e4ngigkeit anderswo neu eingehen. Genau das schl\u00e4gt das Regierungsprogramm vor \u2014 und es schreibt ausdr\u00fccklich dazu, dass das politische System des Lieferlandes dabei keine Rolle spielen solle.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Zauberer Freston<\/h3>\n\n\n\n<p>Es gibt im <em>Don Quijote<\/em> eine Stelle, die weit seltener zitiert wird als der Angriff auf die Windm\u00fchlen, und sie ist die lehrreichere von beiden. Die Lanze ist zersplittert. Ross und Reiter liegen im Staub. Sancho stellt, nicht unbillig, fest, er habe von Anfang an gesagt, es seien nur Windm\u00fchlen. Und Don Quijote antwortet: \u00bb[\u2026] es ist auch gewi\u00df wahr, da\u00df eben der weise Freston, der mein Zimmer und meine B\u00fccher geraubt hat, mir auch jetzt diese Riesen in M\u00fchlen verwandelt, um mir den Ruhm ihrer Besiegung zu entrei\u00dfen. So gro\u00df ist die Feindschaft, die er zu mir tr\u00e4gt!\u00ab Freston ist kein neuer Einfall. Kurz zuvor hatte er schon herhalten m\u00fcssen, um das Verschwinden einer Bibliothek zu erkl\u00e4ren, die in Wahrheit Pfarrer und Barbier verbrannt hatten. Der Zauberer wird nicht erfunden, wenn die Widerlegung kommt \u2014 er wird wiederverwendet. Dies ist ein frestonisches Verfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es beschreibt die Struktur des Arguments, das hier gepr\u00fcft wird. Die \u00dcberzeugung \u00fcberlebt nicht, weil sie zutrifft. Sie \u00fcberlebt, weil sie eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr ihre eigene Widerlegung erzeugt. Wenn Wind und Sonne sich als der billigste neue Strom erweisen, der auf der Erde zu haben ist, wird die \u00dcberzeugung, sie seien ruin\u00f6s teuer, nicht revidiert. Stattdessen wird ein Zauberer aufgeboten: Die Zahlen verbergen die wahren Kosten, die wirklichen Systemkosten tauchen im Strompreis nie auf, die Statistik ist von Interessierten hergerichtet. Das mecklenburg-vorpommersche Programm sagt genau dies, mit eben diesen Worten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass es sich hierbei nicht um eine literarische Analogie handelt, belegen vier Vorg\u00e4nge, jeder von ihnen aktenkundig.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Der Infraschall.<\/em> Eine Bundesbeh\u00f6rde verrechnete sich um den Faktor viertausend, r\u00e4umte den Fehler ein und zog die Studie zur\u00fcck; der zust\u00e4ndige Minister entschuldigte sich. Die Behauptung steht weiterhin in den Programmen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Die Rotorbl\u00e4tter.<\/em> Ein Deponierungsverbot gilt, Verwertungsverfahren existieren, der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages beziffert die erreichbare Recyclingquote. Das Programm schreibt weiterhin, Rotorbl\u00e4tter lie\u00dfen sich nicht recyceln.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Die Netzentgelte.<\/em> Die Benachteiligung der Erzeugerregionen war real und ist seit Januar 2025 behoben, mit einer Entlastung von mehr als 200 Euro je Haushalt und Jahr in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns. Das Programm beklagt sie weiterhin.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Die Beteiligung.<\/em> Das Land verlangt seit zehn Jahren, dass Anwohner und Gemeinden mit mindestens 20 Prozent an neuen Windparks beteiligt werden. Das Programm behauptet weiterhin, sie gingen leer aus.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Vier Widerlegungen, keine Revision \u2014 und vier frestonische Erkl\u00e4rungen daf\u00fcr, warum sie nicht z\u00e4hlen. Der Unterschied zwischen einem Argument und einem Zauberer besteht darin, dass ein Argument angibt, was es widerlegen w\u00fcrde. Es lohnt sich also, genau das auszusprechen. Wenn der weltweite Windanteil fiele, statt auf einem H\u00f6chststand zu stehen; wenn China Turbinen f\u00fcr den Export baute und im eigenen Netz kaum welche betriebe; wenn neue fossile Kapazit\u00e4t billiger w\u00e4re als neue erneuerbare; wenn der Preisschock von 2022 vom Wind gekommen w\u00e4re und nicht von einer Gaspipeline \u2014 dann h\u00e4tten die Programme recht und dieser Kommentar unrecht. Nichts davon ist der Fall, und jeder einzelne Punkt ist binnen einer Stunde in einer ver\u00f6ffentlichten Quelle nachpr\u00fcfbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Energiepolitischer Riesen-Irrtum<\/h3>\n\n\n\n<p>Und doch w\u00e4re es eine eigene Art von Zauberei, so zu tun, als sei mit diesen vier Widerlegungen alles erledigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Ertragsbeteiligung ersetzt keinen unverstellten Horizont. Ein gesunkenes Netzentgelt beseitigt keinen Schattenschlag. Und Beteiligungsangebote sind, wie die Novelle von 2026 einr\u00e4umt, nicht in jedem Fall zustande gekommen. Der Kern des dritten Vorwurfs bleibt bestehen: Bei einer Transformation sind die Gewinne verteilt und die Verluste konzentriert, und wer den Ausgleich dem Zufall \u00fcberl\u00e4sst, erzeugt genau jene Beschwerde, die sich anschlie\u00dfend organisieren l\u00e4sst. Dass Mecklenburg-Vorpommern fr\u00fcher als alle anderen begonnen hat, diesen Ausgleich zu regeln, macht die Aufgabe nicht kleiner. Es zeigt nur, dass sie l\u00f6sbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus folgt eine politische Empfehlung, und sie lautet nicht, weniger zu bauen. Sie lautet, die Beteiligung zu sch\u00e4rfen, den Netzausbau zu beschleunigen und den Lastenausgleich fortzuschreiben \u2014 kurz: dasjenige zu st\u00e4rken, was die Beschwerde tats\u00e4chlich adressiert, statt dasjenige abzur\u00e4umen, was sie nicht verursacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau hier liegt das Donquichotteske. Don Quijotes Irrtum bestand nicht darin, Windm\u00fchlen f\u00fcr gef\u00e4hrlich zu halten; der Fl\u00fcgel zerbrach ihm die Lanze und warf ihn zu Boden. Sein Irrtum bestand darin, dass er nicht sehen konnte, wogegen er k\u00e4mpfte \u2014 und dass der Schaden, den er anrichtete, deshalb ausschlie\u00dflich sein eigener war.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier verh\u00e4lt es sich anders. Der Riese ist ein Trugbild; die Beschwerde, die Menschen bereit gemacht hat, einen zu sehen, ist es nicht. Und die Rechnung f\u00fcr den Angriff \u2014 bezahlt in h\u00f6herer Preisschwankung, in Verwundbarkeit gegen\u00fcber der n\u00e4chsten Versorgungskrise und in der R\u00fcckgabe von Preissetzungsmacht an diejenigen, die Brennstoff verkaufen \u2014 wird jenen Haushalten pr\u00e4sentiert werden, in deren Namen die Lanze eingelegt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Jan-Peter Olters<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September 2026 macht die in den Umfragen f\u00fchrende AfD den R\u00fcckbau der Windkraft zu einem zentralen Wahlversprechen \u2014 im Windschatten \u00e4hnlicher Forderungen von rechtspopulistischer Seite weltweit, allen voran der amtierenden US-Regierung. 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